Das Kunsthaus ohne künstlerischen Nachwuchs..

Die Konzeption und die Idee eines öffentlichen Gebäudes, welches sich künstlerischen Ansprüchen zuwendet und die kreativen Gedankengänge und Visionen begabter Persönlichkeiten thematisiert und das mit ihnen verbundene Wissen einer breiten Öffentlichkeit zuführt, ist in ihrem grundsätzlichen Ansatz zu begrüßen, weil sie einen Mehrwert in kultureller und intellektueller Hinsicht schafft.

In Gera steht die Thematisierung kultureller Werte ziemlich weit oben auf der Agenda der etablierten politischen Fraktionen. Was prinzipiell positiv von der Bevölkerung entgegen genommen werden könnte, krankt jedoch an einem einfachen Prinzip, daß man vor lauter Kultur-Fanatismus im Geraer Stadtrat bis heute nicht verstanden zu haben scheint.
Kulturelles Engagement macht in einer solch ausgeprägten Form nur Sinn, wenn man es mit entsprechenden Bildungsangeboten anreichert. Eine fanatisch ausgerichtet anmutende Liebeserklärung zur Kultur und das ständige Bestreben, die alten Werte des ehrwürdigen Malers "Otto Dix" verkünden und die Stadt Gera mit seinem Namen als Marke schmücken zu wollen, verliert ihren ernsthaften Charakter bereits allein dadurch, daß man sich eine Orientierung zugesteht, wie in diesem Falle das Wesen der Kunst, aber andererseits keine Grundlage dafür schafft, einen entsprechend interessierten Nachwuchs in professioneller Weise zu fördern.
Was spräche beispielsweise dagegen, genau diesen fokussierten und für unsere Region sehr wertvollen Nachwuchs nach zu Gera holen, indem man die Basis in Form einer Kunsthochschule schafft, deren besonderes und sinnvolles Privileg es wäre, den Namen "Otto Dix" zu tragen?

Strategisch gesehen zeugt es eher von einem Charakter der Peinlichkeit und Ideenlosigkeit, wenn man die Marke "Otto" auf dicken Türmen plakatiert, sich in der Stadt selbst aber nur wenige Attraktionen für Außenstehende - sofern sie denn mal nach Gera kommen - ausfindig machen lassen und deren Existenz eine unmittelbare Verbindung zum umworbenen Malermeister für das ungeschulte Auge erkennen läßt.
Zweifelhaft ist insofern der Nutzen eines solchen Hauses, wenn es nur sehr wenige Institutionen und Menschen gibt, die aus dieser stetig voran getrieben und mit 8.000.000,- € dotierten Investition etwas für sich selbst Bedeutungsvolles extrahieren/verwerten können.

.. ohne bildungspolitische Ausrichtung nützt auch die ganze Kunst nicht viel, wenn eine Stadt zwar viele Kunstobjekte vorzuweisen hat, sie aber ausschließlich mit den wenigen in Gera verfügbaren Gästen und einer primär lokalen Clientel teilt, die die betrachteten Objekte lediglich "konsumieren.

Da mein persönliches Engagement in der Schaffung einer Struktur liegen soll, die junge Menschen nach Gera (zurück) bringt, möchte ich Ihnen anhand einer Tabelle verdeutlichen, wie sich die Entwicklung mit einem alleinigen Kunsthaus im Kontrast zu einer Kunsthochschule gestalten würde.
Anhand dieses Beispiels sollte für jeden offensichtlich werden, in welch kleinkarierter und wenig weitsichtiger Weise seit Jahren in Gera Entscheidungen getroffen und (zum Leid aller) auch umgesetzt werden.

Langfristige Entwicklung von Kunsthaus und Kunsthochschule im Kontrast
Kunsthaus Kunsthochschule Stadtbahnlinie
Investitionsumme: ca. 8.000.000,- € ca. 60.000.000,- € ca. 60.000.000,- €
Resultat: einige tausend Besucher/Jahr viele hundert Studenten ziehen nach Gera viele Fahrgäste, die vorher mit modernen Bussen transportiert wurden
Nachhaltigkeit: minimal, viele verschwinden wieder oder besuchen Gera sehr selten sehr hoch, viele hunderte Menschen leben, studieren, arbeiten in Gera und bereichern unsere Region der ökologische Nutzwert ist verschwindend gering, die Kosten dafür exorbitant hoch
Effekt: ein paar tausend Euro Einnahmen aus Eintritt und geringe Wahrscheinlichkeit, die Investitionskosten wieder einzuspielen die jungen Studenten prägen das Stadtbild, bereichern unsere Region, konsumieren, zahlen Steuern, machen Gera für Außenstehende wieder attraktiv eine teure Straßenbahnlinie, die niemals zu refinanzieren und ein reines Grab ist, der reale Mehrwert für die Menschen ist unerheblich und äußerst gering
Ergebnis: Das Haus steht, die Leute kommen und gehen und der Mehrwert für Gera liegt bei Null Interessante internationale und nationale Kooperationen wahrscheinlich, studentische Austauschprogramme, Investitionen von Außen aufgrund gesteigerter Attraktivität von Gera reine optische Aufwertung ohne langfristigen Mehrwert, die Betriebskosten für Fahrgäste werden jährlich bis ins Unbezahlbare ansteigen
Weitere Effekte: Ein Döner-Imbiss entsteht in der Nähe des Kunsthauses Steigende Investitionen verschiedener Unternehmen, künstlerisch orientierte Organisationen siedeln sich in Gera an, Professoren ergänzen das Stadtbild, durch steigenden Bedarf eröffnen viele neue Geschäfte, Wurstbuden, Frisör-Shops mit dem Resultat realer steigender Wirtschaftskraft und neuer Arbeitsplätze Die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel wird aufgrund der steigenden jährlichen Kosten immer weiter zurückgehen
Nachhaltigkeit: unbedeutend bzw. kaum vorhanden Das Stadtbild von Gera wird umfassend umgeformt und modernen Ansprüchen angepasst Die Nachhaltigkeit besteht darin, daß man die Bevölkerung finanziell dauerhaft belastet und ein reines Wirtschaftgrab geschaffen hat
Relation: Die Investition steht in zweifelhaftem Verhältnis zum Nutzwert Die Investition ist 6 mal höher, aber beeinflusst Gera langfristig sehr nachhaltig und macht die Stadt wieder attraktiv Ich glaube, das kann sich jeder selbst ausmalen. Die ist in keiner Form gegeben.